Kamingespräch mit dem CFO der Allianz SE, Giulio Terzariol

Kamingespräch mit dem CFO der Allianz SE, Giulio Terzariol2018-08-06T14:54:06+00:00

Was braucht man, um einen Chief Financial Officer zum Strahlen zu bringen? Vermutlich eine Gruppe neugieriger Jugendlicher, die ihn über eine Stunden lang mit Fragen bombardieren.

Das junge Münchner Leadership-Projekt YouthBridge konnte die Chance auf ein Treffen mit Giulio Terzariol ergattern, dem seit Januar 2018 amtierenden CFO der Allianz SE. Umgeben von etwa 25 Sechzehn- bis Zwanzigjährigen musste der anfangs eher zurückhaltende Italiener Entscheidungen einer etwas anderen Art treffen: Kaiserschmarrn oder Tiramisu, FC Bayern oder Juventus? Manch eine Wahl fiel dem 45 jährigen Vorstandsmitglied gar nicht so leicht. Schnell wurde klar, dass ihm sowohl seine Heimat Italien als auch München sehr am Herzen liegen und Stereotype bei weitem nicht immer stimmen müssen. Es folgten Gespräche über den persönlichen Werdegang, berufliche Vorlieben, Firmenloyalität und Tipps für die Zukunft. Angetan von der regen Beteiligung der YouBis lächelte der Vorstand von Finance, Controlling und Risk zunehmend breiter und man könnte meinen, in seinen Augen ein Leuchten zu bemerken. Neugierig sein, betonte er immer wieder, das ist, worauf es wirklich ankommt, und auch das, was YouthBridge ihm vermitteln konnte.

Empfangen wurden die YouBis in der direkt an dem Englischen Garten gelegenen Zentrale der Allianz SE. Bereits bei dem Betreten der imposanten und doch minimalistischen Eingangshalle, die zugleich an einen römischen Innenhof und einen maurischen Alcázar erinnert, konnte man erahnen, dass man gerade das Herzstück eines weltweit führenden Unternehmens betritt. Seit über 125 Jahren betreut die Allianz Gruppe ihre Kunden, deren Zahl sich aktuell auf 88 Millionen beläuft. Vertreten in mehr als 70 Ländern hat dieser, einer der größten Versicherungs- und Finanzdienstleister, in München seinen globalen Hauptsitz. Karl Snethlage, der Verantwortliche für die Kooperation mit YouthBridge bei Group Communications and Corporate Responsibility (GCORE), begrüßte die YouBis freundlich und führte sie durch elegant gestaltete Gänge hinauf zum Konferenzraum im Arbeitsbereich von GCORE. Man könnte meinen, dort auf ein eher strenges und schlichtes Design zu treffen – doch stattdessen erfreut sich das Auge an Pflanzen, die in umgedrehten Töpfen von der Decke hängen, grünen Teppichböden und bunten Sitzkissen. Einen besonderen Bonus stellten sorgsam vorbereitete Butterbrezen und Getränke da, von denen die Jugendlichen sofort eine Kostprobe nahmen. Kurz darauf traf auch Giulio Terzariol ein. Der erste Eindruck: Sympathisch, ruhig, kompetent. Nach einer kurzen Vorstellung durch Herrn Snethlage platzierte sich der Hauptakteur des Kamingesprächs am Ende des großen Holztisches und fiel sogleich in die Hände von Patrizia und Georgiy, den YouthBridge-Moderatoren. In einer freundlichen und lockeren Art und Weise erklärten die beiden den Aufbau und die Ziele des Projekts, schlugen eine Struktur für das Meeting vor und ließen einige YouthBridge-Teilnehmer von ihrer persönlichen Motivation erzählen. Es fielen Stichwörter wie Leadership, Vielfalt und multikulturelle Erfahrung – Themengebiete, auf denen Giulio Terzariol zweifellos als Experte gesehen werden kann. Das Kamingespräch wurde von den Moderatoren in drei Teile gegliedert – Leadership, Diversity und Zukunftsvision – im Anschluss an welche die YouBis die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen.

Zunächst jedoch erzählte der CFO über seinen Werdegang: Er sei beinahe seit Beginn seiner Karriere bei der Allianz tätig gewesen und wurde immer mehr zum „Allianzer“. Angesichts seiner tiefgreifenden Loyalität, seines Engagements und der hervorragenden Erfahrungen und Ergebnisse wurde er zum Nachfolger des ehemaligen Finance, Controlling und Risk Vorstandes erwählt. Zu seinen Aufgaben gehören nun die Supervision über die Zahlen und die Finanzprozesse der über 140 000 Mitarbeiter zählenden Gruppe sowie „Connecting the dots“, also das Zusammenführen von Zahlen und Menschen, wobei die Persönlichkeit der letzteren nicht außer Acht gelassen werden dürfe, aber auch viel Prognose anhand von bestehenden Statistiken. Zeigen die Analysen keine zufriedenstellenden Resultate, müsse eventuell die zukünftige Strategie angepasst werden. „Ich konnte schon immer gut mit Zahlen“, sagte der CFO, seine analytische Veranlagung und die Leidenschaft für die „Zahlen-Suche“ habe er jedoch erst in der Arbeitswelt voll entdeckt. Die Entscheidung für das Versicherungsgeschäft rühre auf dessen sozialer Relevanz im Branchenvergleich. Für Giulio Terzariol sei es schon immer entscheidend gewesen, etwas Sinnvolles zu tun. „Ohne iPhone kann man, ohne Versicherung kann man nicht“, behauptet er lachend. Der Job sei für ihn somit erfüllend und bereite ihm Freude, jedoch wünsche der CFO sich auch etwas mehr Ausgleich. Aufstehen zwischen fünf und sechs Uhr morgens, um sieben bereits im Büro, bis 7 Uhr abends Meetings und jede Minute durchgetaktet – natürlich ist so ein Alltag nicht leicht. Für seine Leidenschaft, das Laufen von Halbmarathons, bleibe da kaum Zeit. Seine Inspiration weiterzumachen schöpfe er von großen Persönlichkeiten wie Obama oder Warren Buffet, aber auch von seinen vorherigen Vorgesetzten, die ihm wertvolle Erkenntnisse vermitteln konnten.

Einige dieser Erkenntnisse teilte Giulio Terzariol mit YouthBridge im Rahmen des ersten thematischen Blocks „Leadership“. Bereits zu Beginn seiner Karriere wurde er zum CFO der Allianz Insurance Management Asia Pacific in Singapur ernannt. Um seiner vermeintlichen Unerfahrenheit entgegenzuwirken musste er sich der neuen Herausforderung stellen, Kontakte knüpfen und Beziehungen aufbauen. Obwohl er selbst behauptet, ein eher ruhiger, sachlich orientierter und gar schüchterner Mensch zu sein, musste er eine Persönlichkeitsentwicklung durchmachen, um sich als Leader auf dem fremden Gebiet behaupten zu können. Die Bedeutung der richtigen Kommunikationstechnik wurde ihm bei der nachfolgenden Stelle als Business Financial Officer und später auch als CFO in Minneapolis, USA, noch verdeutlicht. Die amerikanische „Can-Do-Attitude“ und das Feedback seines Vorgesetzen lieferten Anstöße, mehr aus sich selbst herauszukommen und auf Menschen zuzugehen. Neben den Communication Skills sei es für einen Leader sehr wichtig, positiv und zugleich ein Visionär zu sein, „Dinge zu sehen, die andere nicht sehen“. Ähnlich wie seine großen Vorbilder soll ein guter Leader nach Giulio Terzariol optimistisch und dennoch objektiv sein und dies auch an seine Kollegen vermitteln können. Dabei muss man auch ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter haben und sie fair und respektvoll behandeln, denn jeder Mensch habe eine Persönlichkeit und individuelle Handlungsmotive. Anstatt übereilt Maßnahmen ergreifen zu wollen, solle man erst kommunizieren, Feedback geben, das Problem analysieren und an der richtigen Stelle helfen. Tut man es nicht, droht die Motivation der Mitarbeiter zu schwinden, was dem Endergebnis nur schade.

Zum Thema Diversity äußerte sich der CFO ausschließlich positiv und griff ebenfalls den Persönlichkeits-Aspekt jedes Mitarbeiters heraus. Je mehr Vielfalt, desto mehr Perspektiven gäbe es, „Diversity [sei] eine Bereicherung“. Allein in dem Münchener Office seien Mitarbeiter aus ca 70 Nationen vertreten, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass Englisch als die offizielle Büro-Sprache fungiert. Kommunikation mit Menschen von verschiedenem kulturellen Background sei nach Terzariol auch eine Sache des Gefühls, nicht nur der Formalitäten. Jedoch müsse Diversity auch formell gefördert und unterstützt werden, was in der Allianz SE aktuell ein sehr wichtiges Thema sei. Aber nicht nur nach Nationalität und Gender, auch hinsichtlich der Studienrichtung unterscheiden sich die Mitarbeiter der Allianz SE. „Man kann alles studieren, um dann bei der Allianz mitzumachen, wichtig ist es, eine Leidenschaft für die Firma zu haben und sich begeistern zu können“, so Terzariol. Ohne einen Abschluss in Finance komme ein CFO aber dann doch nicht aus, ergänzt er mit einem Lächeln.

Schließlich hatte der CFO einige Zukunfts-Tipps für die YouBis parat. Neben der Kommunikationstechnik, die man unbedingt ausbauen sollte, sei das Setzen der richtigen Ziele notwendig für einen erfolgreichen Werdegang. „Man muss auf einem Gebiet der Beste sein wollen, aber nie auf Kosten der Kollegen“, Erfolg anstreben, aber sich nicht daran festbeißen. Beim Pläne schmieden soll man beachten, dass oftmals die größten Chancen unerwartet kommen, die man durch das Festhalten an einem konkreten Plan versäumen könnte.  Jede Etappe im Leben bringe Weiterbildungspotential, das man auch ausnutzen sollte, man sollte das Positive aus jeder Situation herausgreifen können. Außerdem sei es sehr wichtig, Erfolge zu teilen. Im Arbeitsalltag begegne man oft großem Druck, den man ohne die richtige Unterstützung kaum tragen könne. Auf die Frage, wie er denn selbst mit Druck umgehe, behauptet Giulio Terzariol lachend: „Man braucht eine gute Frau“. Gegen Ende des Gesprächs konnte man spüren, wie sehr es ihm die lockere Atmosphäre mit den jungen YouBis angetan hat. „Familie ist wichtig, Freunde sind wichtig, Teilen ist wichtig, Erfüllung ist wichtig“, legt er den Jugendlichen ans Herz. Nicht alles im Leben laufe nach Plan, aber wenn man Begeisterung und vor allem Neugier zeigt, werde man im Leben auch belohnt.

Anna Igelstrom