YouthBridge: ein halbes Jahr später

YouthBridge: ein halbes Jahr später2018-07-05T20:26:05+00:00

Workshop mit Rabbiner Bob Kaplan im Januar 2018

YouthBridge: ein halbes Jahr später

Kennenlernen auf der Fraueninsel

Wenn ein neues großes Projekt ins Leben gerufen wird, an dem 40 junge Menschen beteiligt sind, die zwar in einer Stadt leben, aber meist nicht miteinander vertraut sind, was ist dann am wichtigsten? Richtig, dass sie sich kennenlernen und sich anfreunden!

Dass das geschieht, war Aufgabe der Europäischen Janusz Korczak Akademie, die das Projekt YouthBridge München (der deutsche Partner des Vorzeigeprojekts YouthBridge New York) durchführt. Das Seminar dauerte drei Tage. Für diese drei Tage verließen wir, die Jugendlichen, unser gewohntes Umfeld. Wir sollten uns nicht nur kennenlernen, sondern auch mehr über uns selbst erfahren.

„Angekommen am idyllischen Chiemsee wusste ich noch nicht so recht, was mich erwarten würde. Wieso mach ich überhaupt mit? Was ist das Ziel von alldem? Wo ist der Sinn?

Dass ich mit diesen Fragen nicht alleine war, wurde mir im Laufe der nächsten Tage schnell klar. Projekte machen — das ist die Antwort, die ich am häufigsten zu hören bekam, aber eigentlich wusste niemand so genau, was genau damit gemeint ist. Eben das fand ich so extrem spannend, denn uns wurden somit keine Grenzen gesetzt — einfach alles ist möglich!

Doch ohne Gemeinschaftsgefühl und Teamwork kommt man mit seinen Ideen nicht weit. Aus diesem Grund war es wichtig, sich kennenzulernen, Gemeinsamkeiten und Unterscheide festzustellen, um miteinander Ideen zu entwickeln. Ich habe in diesen drei Tagen mehr Leute kennengelernt als sonst in einem Jahr und ich freue mich schon darauf, unsere Ideen zu realisieren!“

                                                                   Maria Margolina, YouthBridge-Teilnehmerin

Zum Kennenlernseminar ging es auf die Fraueninsel (Chiemsee). Erstens ist es dort angenehm, zweitens ist es originell und drittens kann man von dort nicht abhauen, außer man ist ein guter Winterschwimmer. 😉 Die Abgeschiedenheit der Insel war für das ungewöhnliche und überraschende dreitägige Programm tatsächlich sehr wichtig.

Auf der Insel empfing uns Schwester Scholastika, in einem historischen Gebäude des weiblichen Benediktinerklosters aus dem 8. Jahrhundert. Schwester Scholastika ist eine ganz erstaunliche, gebildete Geschäftsfrau (einen Teil des Klostergebäudes, der unter dem Hotel liegt, belegen Touristen über das ganze Jahr). Gleichzeitig ist sie eine sehr kontaktfreudige und aufrichtige Person. Schwester Scholastika erzählte uns, dass sie seit mehr als zehn Jahren davon geträumt hat, dass ein solches Projekt in ihrem Kloster startet.

Wir bauen Brücken

Die darauffolgenden Ereignisse entwickelten sich sehr schnell. In anderthalb Tagen lernten sich die Projektsteilnehmer unter der Leitung der wunderbaren Theaterpädagogin Anastasia Komerloh kennen. Dabei spielten wir verschiedene Spiele. Besonders zufrieden waren wir mit der Quest: Es war dynamisch, kreativ und hat unglaublich viel Spaß gemacht! Das Ziel der Übung war, ein sechsteiliges Modell zusammenzubauen. Daraus musste am Ende jedes der drei Teams eine Brücke bauen. Motivation: Das Team mit der am schnellsten gebauten Brücke gewinnt.

„Komplizierte Rätsel lösen, ein Mienenfeld überqueren oder gefärbtes Wasser umfüllen: All diese Aufgaben und noch viele mehr mussten die Teilnehmer von YouthBridge bewältigen. Polizisten, Architekten, Geschäftsleute und Diebe, alle Charaktere waren dabei. Dabei war es vollkommen unwichtig, wie das Wetter war, egal ob Regen, Schnee oder Wind, jeder Teilnehmer spielte eifrig mit, damit sein Team gewinnt. Das Ziel dieser Schnitzeljagd war, bei jeder Station Legosteine zu gewinnen, um anschließend eine bunte Brücke zu bauen, YouthBridge eben.“

                                                                               Alina Bilan, YouthBridge-Teilnehmerin

Im Allgemeinen war das Thema „Brücken bauen“ der rote Faden, der sich durch alle drei Tage auf der Fraueninsel zog. Es geht ja bei dem Projekt darum, Brücken zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Religionen zu bauen. Den Teilnehmern sollen die notwendigen Kenntnisse vermittelt werden, damit sie am Ende des Projekts  in der Lage sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Diesem Ziel kamen wir auf der Fraueninsel näher und in den nächsten zwei Jahren werden wir an vielen interessanten Workshops und Seminaren teilnehmen: „Wie kann ich die Welt zum Besseren verändern?“, „Initiative und Kreativität“, „Interkulturelle Kommunikation“, „Erfolgreiches Start-up“, „Bildung einer Community“…

Den ersten Workshop „Erkenne dich selbst“ führte Wladislaw Jachtchenko, Top-Ten-Redner in Europa und Gründer der Münchner Argumentorik-Akademie, durch.

„Der Weg zur Selbsterkenntnis führt über die großen Fragen der Philosophie: Wer bin ich? Was für Ziele habe ich? Wie wichtig ist Erfolg? Was macht mich aus? Ich als Dozent war gespannt, wie die Jugendlichen von YouthBridge diese schwierigen Fragen wohl beantworten würden. Zu meiner großen Überraschung waren sie alle in der Lage, quasi aus dem Stegreif eine zwei bis drei Minuten lange Rede zu halten – und das ganz ohne Zettel! Daher mein ganz großes Lob an die YouthBridge-Teilnehmer! Sie haben geschafft, was viele Erwachsene in dieser Form nicht schaffen würden!“

                                                        Wladislaw Jachtchenko, Argumentorik-Akademie

Sich der Presse und Öffentlichkeit vorstellen

Die Pressekonferenz war eine hervorragende Gelegenheit, das Projekt, die Ziele, Pläne und Ideen vorzustellen.

„Am 5. Dezember 2017 fand im Münchner Presseclub am Marienplatz unsere Pressekonferenz satt, auf der wir Youth Bridge der Öffentlichkeit vorstellten. München TV, der Bayerische Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung nahmen teil. Wir hatten die Möglichkeit, unser Projekt, unsere Ziele und Pläne zu präsentieren. Und wir beantworteten Fragen der Medien. Wie lange dauert das Projekt? Was bedeutet Youth Bridge für uns Jugendliche? Wieso ist uns das so wichtig? Zwei Jahre, 40 Teilnehmer, zahlreiche Projekte, eine gemeinsame Erfahrung. Nur durch gemeinsame Ziele und gegenseitigen Respekt machen wir das möglich. Das Beste: Die Medien berichteten über uns.“

                                                                 Patricia Jelusic, YouthBridge-Teilnehmerin

 

„YouthBridge … soll junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Muttersprache und Religion zusammenbringen. In New York trägt das Programm seit mehr als 20 Jahren zum sozialen Frieden in der Stadt bei. Nun soll es auch in München für weniger Vorurteile und mehr Miteinander sorgen. München ist eine lebens- und liebenswerte Stadt, da sind sich die Schüler und Studenten einig. Doch sie können noch besser werden: Zwar lebten in der Stadt viele Nationen zusammen, doch es sei schade, dass man das gar nicht so wahrnehme.“

                                                                       Melanie Staudinger, Süddeutsche Zeitung

Weiter geht’s!

Endlich, das erste Seminar 2018 mit dem Titel: Unsere gemeinsame Welt verstehen. Wir wollten wissen, in welcher Stadt wir leben und wie es um die Vielfalt und Integration bei uns bestellt ist. Wer, wenn nicht Kerstin Schreyer, die Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, konnte uns bessere Antworten geben? Sie sprach ein Grußwort und diskutierte uns über Chancen und Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft. Schreyer hielt fest:

„2015 und 2016 sind sehr viele Menschen mit Fluchthintergrund nach München wie auch nach ganz Bayern gekommen. Darunter sind auch sehr viele junge Menschen. Darin liegen Chancen für München und Bayern, damit sind aber auch viele Herausforderungen verbunden. Umso wichtiger ist es, dass Projekte wie YouthBridge junge Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen, um Rassismus, Antisemitismus und Radikalisierung vorzubeugen. Es ist großartig, dass die YouthBridge-Teilnehmer sich in die gesellschaftlichen Entwicklungen einbringen und die Europäische Janusz Korczak Akademie sie dabei mit Seminaren zu politischer Bildung unterstützt.“

            Kerstin Schreyer, MdL, Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung

Rabbi Bob Kaplan reiste extra aus New York an, um mit den Yubis ins Gespräch zu kommen. Bob Kaplan ist Experte auf dem Gebiet des interreligiösen und interkulturellen Dialogs und Gründer von YouthBridge New York. In seinem Vortrag erklärte er die Schlüsselkompetenz für den Umgang mit Menschen – cultural humility, kulturelle Demut. Es gebe nichts Wichtigeres, als die Brille der Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abzusetzen und ihnen offen, respektvoll, geduldig und voller kultureller Demut zu begegnen. Bob Kaplan rief die Jugendlichen dazu auf, die Welt besser zu machen und schloss mit einem sehr emotionalen Appell: „Martin Luther King hatte einen Traum. Nun ist es unser Job, ihn zu verwirklichen!“

Zwischenfazit von YouthBridge: Wir sind viele – 30 wunderbare Teilnehmer aus 17 Gemeinden, die insgesamt 20 Sprachen sprechen! Wir sind aktiv, kreativ, wir sind so anders und wir sind bereits ein Team, YouthBridge München!